Boney M.: Woher stammen die Sonnenschein-Hits ursprünglich?

BoneyM_Beitrag_WoherStammenDieHitsJeder kennt „Rivers Of Babylon“, „Sunny“, „Mary’s Boy Child“ und „Ma Baker“: Sie alle zählen zu den größten Hits der 1970er-Jahre. Produzent Frank Farian sammelte für seine Aufnahmen Originale aus aller Welt zusammen und verlieh den Vorlagen aus Tunesien, Amerika und der Karibik den unwiderstehlichen Boney-M.-Groove.

Text: Ernst Hofacker

Der Mann hatte ein unfehlbares Gespür. Kaum ein Musiker wusste so genau wie Frank Farian, mit welchen Tönen man die deutsche Seele berühren konnte. Kein Wunder, dass der Mann aus dem Saarland in den 1970er-Jahren zu einem der erfolgreichsten Musikproduzenten aufstieg und als Daddy Cool von Boney M. in die Popgeschichte einging.

„Baby Do You Wanna Bump“: Ska-Klassiker aus Jamaika

Gerne verwendete Farian für seine Ideen geeignetes Fremdmaterial. So hatte er bereits bei der ersten Boney-M.-Single „Baby Do You Wanna Bump“, produziert im Jahr 1974, den zehn Jahre alten jamaikanischen Ska-Klassiker „Al Capone“ von Prince Buster als Grundlage übernommen. Zwar hatte dieses Singledebüt von Boney M. noch nicht allzu viele Spuren in den Charts hinterlassen, der nächste Streich jedoch saß: Das von Farian selbst geschriebene „Daddy Cool“ etablierte Boney M. im Herbst 1976 an der Spitze der Hitlisten.

„Sunny“: auf der Fährte von Cher und Sinatra

Für die nächste Single verließ sich Farian auf erprobte Hitware: „Sunny“ war bereits einer der meistgecoverten Popsongs aller Zeiten, als Boney M. ihn sich vornahmen. Als Erster hatte ihn 1966 der US-Soulsänger Bobby Hebb aufgenommen, im selben Jahr war Cher damit in den USA ein Charts-Erfolg gelungen, und selbst Frank Sinatra führte das Stück im Repertoire. Farian unterlegte den Song mit einem eleganten Discobeat – und landete seine zweite Nummer eins mit Boney M.

„Ma Baker“: amerikanische Gesetzlose mit tunesischen WurzelnBoney M_Diamonds, Disco (2)verkleinert

Beim nächsten Coup, dem Millionenseller „Ma Baker“, griff Farian auf einen Bestseller mit exotischer Herkunft zurück: „Sidi Mansour“, ein altes tunesisches Folklorelied, war dort 1975 in einer Popversion zum Nr.-1-Hit geworden. Farians Assistent Hans-Jörg Mayer, der damals in Tunesien Urlaub gemacht hatte, bekam die Melodie nicht mehr aus dem Kopf. Zurück in Deutschland, bastelte er daraus gemeinsam mit seinem Boss „Ma Baker“, dessen Musik vollständig auf „Sidi Mansour“ basierte und dessen Text nun die Geschichte der legendären Kate „Ma“ Barker, einer US-Gesetzlosen der 1930er-Jahre, erzählte.

„Rivers Of Babylon“: Rastafari-Kult in deutschen Discos

Zum wohl größten Boney-M.-Hit wurde im Jahr 1978 „Rivers Of Babylon“. Auch hier gibt es eine Vorlage, und wie schon bei „Baby Do You Wanna Bump“ führt die Spur in die Karibik. Im Jahr 1970 hatte dort die Gesangsgruppe The Melodians einen Hit gelandet, der sich mit der Religion der Rastafaris befasste und im Text einzelne Zeilen aus Bibelpsalmen verwendete. Farian und Boney M. hatten das Lied auf dem Soundtrack des Kinofilms „The Harder They Come“ entdeckt. Nun versahen sie es mit einem poppigen Arrangement und coverten den Song ansonsten eins zu eins. Bingo!

„Mary’s Boy Child“: Steeldrums unterm Weihnachtsbaum

Last but not least: „Mary’s Boy Child“, das Boney M. zu Weihnachten 1978 einen ihrer größten Charterfolge bescherte, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 22 Jahre auf dem Buckel und war 1956 zum ersten Mal von Harry Belafonte aufgenommen worden. Der US-Calypso-Star hatte damit in den englischen Charts Platz eins erobert. Auch in diesem Fall verfuhr Produzent Farian nach bewährtem Rezept: Er modernisierte das Arrangement behutsam und verlieh dem Ganzen eine zusätzliche Portion karibischen Sonnenscheins in Gestalt dezenter Steeldrums. Einmal mehr gab ihm der Erfolg recht: „Mary’s Boy Child“ kletterte in fünf europäischen Ländern auf Platz eins und schaffte es sogar bis in die US-Hot-100. Cleverer als Farian kann man Vorlagen wohl nicht covern und weiterentwickeln. Und zumindest im Fall von „Mary’s Boy Child“, „Sunny“ und „Rivers Of Babylon“ nannte er in den Songcredits fair Ross und Reiter.

► WEITERLESEN: Boney M.: Neue Remixe zum 40. Geburtstag!

„Diamonds“ als einzigartige 3CD-, 3DVD- oder Fan-Box 

Nun gibt es zum 40-jährigen Jubiläum der Debütsingle „Baby Do You Wanna Bump“ den definitiven Karriererückblick: Am 30. März kommt „Diamonds“ als 3-CD-Box mit sämtlichen Hits in chronologischer Reihenfolge sowie diversen neuen Remix-Versionen. Die Deluxe-Edition in einer speziellen Fan-Box überrascht zudem mit einer zusätzlichen „Bootleg“-CD, weiteren neuen Remixes, einem T-Shirt und vielem mehr. Parallel dazu ist die 3-DVD-Box „Diamonds“ mit historischen TV-Auftritten, Promoclips und bislang unveröffentlichten Konzertmitschnitten erhältlich, darunter das letzte Boney-M.-Konzert, das 1984 in Sun City, Südafrika, aufgezeichnet wurde.

BoneyM_Fanbox_Inhalt(2)

Boney M. – „Diamonds“ | 3-CD-Box

BoneyM_Album_Packshot_3D_verkleinert

CD 1
1. Baby Do You Wanna Bump, Pt. 1 – 7′ Version
2. Daddy Cool
3. No Woman No Cry
4. Sunny
5. Ma Baker – 7′ Alternate Version
6. Belfast
7. Rivers of Babylon – 7′ Alternate Version
8. Brown Girl in the Ring – 7′ Alternate Version
9. Rasputin – 7′ Version
10. Painter Man
11. Mary’s Boy Child / Oh My Lord – 7′ Version
12. Dancing in the Streets – 7′ Version
13. Hooray! Hooray! It’s a Holi-Holiday – 7′ Version
14. Gotta Go Home – 7′ Version
15. El Lute – 7′ Version
16. Bahama Mama – 7′ Version
17. I’m Born Again – 7′ Version
18. I See a Boat on the River – 7′ Version
19. My Friend Jack – 7′ Version

CD 2
1. Children of Paradise – 7′ Version
2. Gadda-Da-Vida – 7′ Version
3. Felicidad (Margherita) – 7′ Version
4. Malaika
5. Consuela Biaz – 7′ Alternate Version
6. We Kill the World – 7′ Version
7. The Carnival Is Over (Goodbye True Lover) – 7′ Alternate Version
8. Going Back West – 7′ Version
9. Jambo – Hakuna Matata (No Problems) – 7′ Version
10. Somewhere in the World – 7′ Version
11. Exodus (Noah’s Ark 2001) – 7′ Version
12. Kalimba De Luna – 7′ Version
13. Happy Song – 7′ Version
14. My Cherie Amour
15. Young, Free and Single – 7′ Version
16. Bang Bang Lulu – 7′ Version
17. Stories – Radio Mix
18. Papa Chico – Rap Version
19. Barbra Streisand (The Most Wanted Woman) – Radio Mix

CD 3
1. Song of Joy – Single Edit
2. Running Man (Frankie’s on the Run)
3. Sunny – John Munich & Thorsten Skringer Radio Sax Edit
4. Nightflight to Venus – Blank & Jones Remix
5. Ma Baker – Blank & Jones Radio Remix
6. Daddy Cool – Nick Raider Radio-Mix
7. Kalimba De Luna – Bassflow de Luna Mix
8. Rasputin – Bassflow 4.0 Mix
9. Rivers of Babylon – Echolot Fox Mix
10. Daddy Cool – Jay Frog & Amfree Remix
11. Sunny – John Munich & Thorsten Skringer Extended Sax Mix
12. Sunny – Blank & Jones Summer Vibe Remix
13. Rivers of Babylon – Nick Raider Club Party Mix
14. Kalimba De Luna – Bassflow de Luna Instrumental Mix
15. Rasputin – Bassflow 4.0 Remix

 

Boney M. – „Diamonds“ | 3-DVD-Box

Boney_M_DVD_Box_Packshot_3DDVD 1
Alle großen TV-Auftritter aus den kultigen TV-Shows wie
Top of the Pops (BBC)
Musikladen (ARD)
Formel Eins (WDR)
u.v.a.

DVD 2
Das Konzert 1978 Live in Dublin vom irischen Fernsehen
Außerdem das SOPOT Festival von 1979 Live in Polen

DVD 3
Das legendäre und letzte Konzert von Boney M. in Sun City (Süd-Afrika)
+ Bonus Material

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