Die Smokie-Story, Teil 1: It’s a long way to the top…

Smokie_Gold_Beitrag_Bio1…if you wanna rock’n’roll! Zehn Jahre brauchten die Briten, bis sie zum ersten Mal Charts-Luft schnuppern konnten. Der Aufstieg der Band um Leadsänger Chris Norman verlief so mühselig wie stetig und ist von filmreifen Geschichten gepflastert – etwa einer Stimmbandentzündung, die Chris Norman seine raue Röhre beschert, oder einem ursprünglich für Smokie geschriebenen Hit des großen Albert Hammond.

Text: Ernst Hofacker

Im noch recht überschaubaren Pop-Angebot der 1970er-Jahre gab es erfolgreiche Bands, sehr erfolgreiche Bands und solche, deren Chronik sich wie ein regelrechter Triumphzug liest. Zur letzten Kategorie gehören Smokie. Zwischen 1975 und 1982 gelangen der Band nicht weniger als 13 Top-Ten-Hits, darunter drei, die es auf Platz eins schafften. Dazu gelangten drei Smokie-Alben in die Top Ten. Fast ununterbrochen war die Gruppe in jenen Jahren auf Tour, und selbstverständlich war sie dauerpräsent in Funk, Fernsehen und Presse. Neben Millionen verkaufter Tonträger sind Dutzende Awards in der Bandchronik verzeichnet, nicht zuletzt zwei Exemplare des legendären, durch die bundesdeutsche Jugendzeitschrift Bravo verliehenen „Goldene Otto“.

Die Teenies tingeln umher

Eine Erfolgsbilanz, mit der in der nordenglischen Textilindustrie-Metropole Bradford im Herbst 1963 niemand rechnen konnte. Schon gar nicht der 12-jährige Alan Silson und seine nicht wesentlich älteren Schulkumpels Chris Norman, Terry Uttley und Ron Kelly. Sie tun damals das, was Tausende von UK-Kids damals eben tun: Sie gründen eine Band. 1965 treten sie mit Coverversionen der Tageshits zum ersten Mal öffentlich auf und beginnen durch die Region zu tingeln – eine gute Schule, wie sich zeigen soll.

1968 entscheiden sich die Nachwuchsmusiker für eine Profi-Laufbahn. Und allmählich geht es aufwärts. Ein Manager nimmt sich der Band an, die sich The Elizabethans nennt, im Dezember kommt es in der BBC-Show „High Jinx“ zum ersten TV-Auftritt. 1970 folgt der erste Plattenvertrag. Die Debütsingle von Kindness, wie sie inzwischen heißen, aber floppt. Bei der Plattenfirma verzichtet man auf weitere Versuche und droppt die Band. Aufgeben aber kommt für Chris Norman & Co. nicht in Frage.

Albert Hammond schreibt für die vier BritenSmokie1978_@DidiZill (2)

Produzent Steve Rowland, der bereits mit Peter Frampton und den Teenstars Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich gearbeitet hat und nun gemeinsam mit Albert Hammond bei der erfolgreichen Band Family Dogg spielt, nimmt Kindness 1970 unter Vertrag. Hammond schreibt für die Jungs einen exklusiven Track, entscheidet sich aber letztlich dafür, „It Never Rains In Southern California“ unter eigenem Namen zu veröffentlichen – er landet einen Welterfolg. Kindness sind knapp am ersten Hit vorbeigeschrammt.

1971 hängt ihre Zukunft gar am seidenen Faden: Chris Norman leidet unter einer schweren Stimmbandentzündung. Als er endlich genesen ist, klingt seine Stimme erheblich rauer als zuvor. 1972/73 wird zur weiteren Geduldsprobe: Ein Plattenvertrag mit Decca endet nach zwei erfolglosen Singles, und um sich über Wasser zu halten, touren Kindness als Begleitband für den ehemaligen Herman’s-Hermits-Sänger Peter Noone („No Milk Today“). Im August 1973 verlässt Gründungsmitglied Ron Kelly die Gruppe. Er wird ersetzt durch Pete Spencer, ebenfalls ein alter Schulfreund.

Große Wende mit neuen Produzenten

Dann endlich, im Sommer 1974, wendet eine zufällige Begegnung das Blatt: Während eines Gigs auf einem Ausflugsdampfer in Deutschland lernen die Musiker das Pruduzenten-Team Mike Chapman und Nicky Chinn kennen. Die beiden haben bereits Sweet, Mud, Hot Chocolate und Suzi Quatro groß gemacht, und nach anfänglichem Zögern nehmen sie das Quartett aus Bradford unter ihre Fittiche. Nach intensiven Vorarbeiten und einem neuerlichen Namenswechsel – man entscheidet sich für Smokey – starten im Herbst die Aufnahmen zum ersten Album. Als „Pass It Around“ im Februar 1975 erscheint, erregt es noch kaum Aufsehen. Das Team lässt sich jedoch nicht entmutigen und geht nach einer Tournee mit Pilot („January“) gleich wieder ins Studio, um Album Nr. 2 einzuspielen.

Bereits im September 1975 erscheint „Changing All The Time“ – und beschert der Band den so lange ersehnten Durchbruch. Die ausgekoppelte Single „If You Think You Know How To Love Me“ wird zum Überraschungshit, schafft es in die UK-Top-3 und etabliert den typischen Smokie-Sound: Softrock mit Folkanleihen, unwiderstehliche Hooks und butterweicher Harmoniegesang als Kontrast zu Chris Normans Raspelröhre. Die zweite Single, „Don’t Play Your Rock’n’Roll To Me“, variiert diese Erfolgsformel gekonnt. Der Lohn: Sowohl in England als auch in Deutschland landen Smokey einen weiteren Top-Ten-Erfolg!

Endlich haben es die vier Jungs aus Bradford geschafft. Die Lehr- und Wanderjahre zahlen sich nun aus, nicht nur daheim in England, auch auf dem Kontinent horcht das Publikum auf. Dabei haben Smokey gerade erst losgelegt. Der ganz große Erfolg ist in greifbare Nähe gerückt. Im Oktober 1975 aber scheint plötzlich alle Mühe umsonst gewesen zu sein – Smokey erleben eine böse Überraschung…

► WEITERLESEN: Die Smokie-Story, Teil 2: fünf Hitalben und ein Todesfall

Das Beste von damals bis heute

„Smokie Gold 1975-2015 – The 40th Anniversary Gold-Edition“ ist die definitive Karriere-Retrospektive der britischen Band. Das Doppelalbum ist in einer Standard und einer Deluxe Edition erhältlich und umfasst neben den großen Hits der 1970er Jahre auch die wichtigsten Aufnahmen aus späteren Jahren, neue Songs von Smokie und Chris Norman sowie Solotracks, Raritäten, Unplugged-Versionen und Livemitschnitte.

Für wahre Fans gibt es „Smokie Gold 1975-2015“ als 3-DVD-Edition. Das mit annähernd acht (!) Stunden Spielzeit prallvolle Boxset versammelt erstmals Promo Clips, TV-Auftritte und Konzertmitschnitte aus alles Karrierephasen sowie Interviews und einen 42-minütigen Dokumentarfilm.

Smokie Gold 1975-2015 – The 40th Anniversary Gold-Edition

Disk: 1Smokie GOLD CD Layout (2)
1. If You Think You Know How To Love Me – Jay Frog & Amfree Mix
2. Lay Back In The Arms Of Someone
3. For A Few Dollars More
4. Something’s Been Making Me Blue
5. San Francisco Bay
6. Sally’s Song (The Legacy Goes On)
7. Don’t Play That Game With Me
8. Can’t Cry Hard Enough
9. Run To Me
10. What Can I Do
11. Changing All The Time
12. Don’t Play Your Rock ‘N’ Roll To Me
13. Wild Wild Angels
14. Pass It Around
15. Light Of Love – Mono – Kindness
16. I’ll Meet You At Midnight – Live
17. Looking Daggers
18. The Book
19. Steppin’ On Seashells
20. Closer To The Candle – Silson, Alan
21. Jealous Heart (Blame It On My) – Norman, Chris
22. At The End Of The Rainbow

Disk: 2
1. Babe It’s Up To You
2. It’s Your Life
3. Oh Carol
4. Baby It’s You
5. Living Next Door To Alice
6. Rock ‘N’ Roll Rodeo
7. In The Middle Of A Lonely Dream
8. Where Sorry’s Not Enough
9. Do To Me
10. If You Think You Know How To Love Me
11. Boulevard Of Broken Dreams
12. You’re So Different Tonight
13. She Rides Wild Horses
14. Mexican Girl
15. Needles And Pins
16. Lindy Lou – Mono – Kindness
17. Petesey’s Song
18. Tis Me
19. You Don’t Care
20. A Cry In The Night
21. Amazing – Norman, Chris
22. Desperate Measures – Acoustic Version
23. Forty Years On – Norman, Chris

Smokie Gold 1975-2015 – 3 DVD’s

SmokieGOLD_DVDPackshot (2)

DVD1
Einzigartige Higlights aus den beliebtesten TV-Shows weltweit

DVD2
Die besten Video-Clips sowie Ausschnitte aus dem legendären Benefiz-Konzert in Bredford, England (1995).

DVD3
Hinter dem Eisernen Vorhang
Ost-Berlin, 1976
Sofia, 1983
Bratislava, 1983

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