Smokies „Alice“: WTF – die unglaubliche Geschichte des größten Smokie-Hits

Smokie_Gold_Beitrag_AliceEin gebrochenes Herz, eine holländische Bar, ein schottischer Comedian und das berüchtigte F-Wort: Die Story des wohl größten Smokie-Erfolgs „Living Next Door To Alice“ dürfte einmalig in den Annalen der Popgeschichte sein.

Text: Ernst Hofacker

Winter 1977: Als die waidwunde Stimme des Smokie-Leadsängers Chris Norman die anrührende Geschichte seiner Nachbarin Alice erzählt, die er seit 24 Jahren verehrt und die nun plötzlich in einer großen Limousine für immer verschwindet, da ist kaum zu ahnen, dass diese traurige Ballade Jahrzehnte später zu einer der beliebtesten Partyhymnen Europas werden sollte. Denn zunächst einmal erweist sich der Song als bis dahin größter Smokie-Hit, in fünf europäischen Ländern schafft es „Alice“ auf Platz eins. Die wenigsten Fans allerdings wissen, dass die Aufnahme eine Coverversion ist. Bereits 1972 hat das englische Komponistengespann Nicky Chinn und Mike Chapman die Nummer für das Gesangstrio New World geschrieben, die australische Band schaffte mit ihrer Version allerdings nur down under einen kleinen Hit. Smokie haben das Lied für ihr erstes Greatest-Hits-Album damals neu aufgenommen und einen Volltreffer gelandet.

Holländischer DJ erweckt Alice zum Leben

Abgesehen von einigen weiteren Versionen, die im Laufe der späteren Jahre andere einspielten – darunter der Country-Sänger Johnny Carver und die UK-Punkband Chron Gen – schien „Alice“ damit allerdings auch erledigt und abgelegt zu sein im Oldie-Fach. 1995 aber tauchte der Song plötzlich wieder auf – und wurde ein zweites Mal zum Nr.-1-Hit!

Die Geschichte dahinter ist kurios: In jenem Jahr besucht Rob Peters in Holland eine Bar. Als der Discjockey den Smokie-Oldie spielt, zieht er während des Refrains jedes Mal die Regler herunter und brüllt in sein Mikrophon: „Alice! Who the Fuck is Alice?“ Das Publikum grölt mit. Auch Peters ist begeistert. Er riecht einen Hit und nimmt das Lied gemeinsam mit seinem Kumpel Peter Koelewijn neu auf, inklusive der zusätzlichen Textzeile. Die beiden veröffentlichen die Aufnahme unter dem Pseudonym Gompie – so heißt die Bar, wo Peters den Gag zum ersten Mal gehört hat. Tatsächlich klettert „Who The Fuck Is Alice“ wenig später in die Hitlisten, in den Niederlanden und Belgien gar auf Platz eins.

Alice lebt auf Parties weiter

Smokie2015_(c)Smokie (2)

Der Coup bleibt auch den Schöpfern des Originalhits nicht verborgen. Bei ihren Konzerten nehmen Smokie erstaunt zur Kenntnis, dass das Publikum bei „Alice“ neuerdings die zusätzliche Zeile mit dem F…-Wort skandiert. Gemeinsam mit dem schottischen Comedian Roy „Chubby“ Brown nimmt die Band nun ihrerseits eine aktuelle Version des Songs auf, und die schafft es im Vereinigten Königreich ebenfalls bis auf Platz drei der Charts.

Bis heute ist der Hit nicht totzukriegen. Überall, wo sich die Partystimmung dem Siedepunkt nähert, egal ob auf dem Oktoberfest oder bei Geburtstagsfeiern, stehen die Leute irgendwann auf den Stühlen und rufen unisono: „Alice, who the Fuck is Alice?“ So gesehen blieb das geheimnisvolle Mädchen uns und Smokie erhalten, auch wenn es im Liedtext heißt: „No, I’ll never get used to not living next door to Alice!“ (dt: Nein, ich werde mich nie daran gewöhnen, nicht Tür an Tür mit Alice zu leben!)

► WEITERLESEN: Smokie „Gold“: ultimatives Paket zum 40. Jubiläum

Smokie_CD_DVDDas Beste von damals bis heute

„Smokie Gold 1975-2015 – The 40th Anniversary Gold-Edition“ ist die definitive Karriere-Retrospektive der britischen Band. Das Doppelalbum ist in einer Standard und einer Deluxe Edition erhältlich und umfasst neben den großen Hits der 1970er Jahre auch die wichtigsten Aufnahmen aus späteren Jahren, neue Songs von Smokie und Chris Norman sowie Solotracks, Raritäten, Unplugged-Versionen und Livemitschnitte.

Für wahre Fans gibt es „Smokie Gold 1975-2015“ als 3-DVD-Edition. Das mit annähernd acht (!) Stunden Spielzeit prallvolle Boxset versammelt erstmals Promo Clips, TV-Auftritte und Konzertmitschnitte aus alles Karrierephasen sowie Interviews und einen 42-minütigen Dokumentarfilm.

Smokie Gold 1975-2015 – The 40th Anniversary Gold-Edition

Disk: 1Smokie GOLD CD Layout (2)
1. If You Think You Know How To Love Me – Jay Frog & Amfree Mix
2. Lay Back In The Arms Of Someone
3. For A Few Dollars More
4. Something’s Been Making Me Blue
5. San Francisco Bay
6. Sally’s Song (The Legacy Goes On)
7. Don’t Play That Game With Me
8. Can’t Cry Hard Enough
9. Run To Me
10. What Can I Do
11. Changing All The Time
12. Don’t Play Your Rock ‘N’ Roll To Me
13. Wild Wild Angels
14. Pass It Around
15. Light Of Love – Mono – Kindness
16. I’ll Meet You At Midnight – Live
17. Looking Daggers
18. The Book
19. Steppin’ On Seashells
20. Closer To The Candle – Silson, Alan
21. Jealous Heart (Blame It On My) – Norman, Chris
22. At The End Of The Rainbow

Disk: 2
1. Babe It’s Up To You
2. It’s Your Life
3. Oh Carol
4. Baby It’s You
5. Living Next Door To Alice
6. Rock ‘N’ Roll Rodeo
7. In The Middle Of A Lonely Dream
8. Where Sorry’s Not Enough
9. Do To Me
10. If You Think You Know How To Love Me
11. Boulevard Of Broken Dreams
12. You’re So Different Tonight
13. She Rides Wild Horses
14. Mexican Girl
15. Needles And Pins
16. Lindy Lou – Mono – Kindness
17. Petesey’s Song
18. Tis Me
19. You Don’t Care
20. A Cry In The Night
21. Amazing – Norman, Chris
22. Desperate Measures – Acoustic Version
23. Forty Years On – Norman, Chris

Smokie Gold 1975-2015 – 3 DVD’s

SmokieGOLD_DVDPackshot (2)

DVD1
Einzigartige Higlights aus den beliebtesten TV-Shows weltweit

DVD2
Die besten Video-Clips sowie Ausschnitte aus dem legendären Benefiz-Konzert in Bredford, England (1995).

DVD3
Hinter dem Eisernen Vorhang
Ost-Berlin, 1976
Sofia, 1983
Bratislava, 1983

Weitere Artikel

Sweet

Sweet: Die verlorene Show – „Action“ im Musikladen!

Für Sweet-Fans dürfte es eine faustdicke Überraschung sein: In der 3-DVD-Retrospektive „Sweet: Action!“ findet sich auch ein bislang unveröffentlichtes Konzert, das die Band 1974 für die deutsche TV-Show „Musikladen“ gab. Mit dem Auftritt, der nie gesendet wurde, verbindet die Gruppe allerdings nicht nur gute Erinnerungen… Text: Ernst Hofacker Es war ein....
Mehr lesen

Jeff Lynne’s ELO: neues Album aus der Hitschmiede!

14 lange Jahre mussten die Fans des Electric Light Orchestra warten, nun endlich legt Jeff Lynne ein neues ELO-Album vor: „Alone In The Universe“ glänzt mit eingängigen Songs und ist eine herrliche Zeitreise in die 70er! Text: Ernst Hofacker Es geschah in Londons Hyde Park: Jeff Lynne, seines Zeichens Kopf des legendären....
Mehr lesen

Boney M.: Was machen die vier Stars heute?

Sie sind Ikonen des Seventies-Pop: Marcia Barrett, Liz Mitchell, Maizie Williams und Bobby Farrell zählen zu den bekanntesten Stars der damaligen Szene. Auch für sie gab es ein Leben nach Boney M. – aber welches? Text: Ernst Hofacker Marcia Barrett, geboren am 14. Oktober 1948 in Saint Catherine Parish auf Jamaika,....
Mehr lesen

EUROPA feiert Jubiläum: Erinnerungen an 50 Jahre Kinderzimmer-Highlights

Seit einem halben Jahrhundert ist EUROPA die unangefochtene Nummer eins im Hörspielbereich. Egal ob Winnetous Abenteuer, die spannenden Fälle der „drei ???“ oder die Fußball-Geschichten der „Teufelskicker“ – die Traditionsmarke mit dem rot umrandeten Logo begeistert nach wie vor Jung und Alt. Wir haben für Sie die wichtigsten Meilensteine zusammengetragen: Text:....
Mehr lesen

disco „The Long Versions“: die Hits der 70er im XXL-Format

Ausschweifende Songs für extensives Tanzvergnügen – in den Discotheken finden in den späten 1970ern immer öfter extralange Titel ihren Weg ins Programm der DJs. Die Plattenfirmen sind am Anfang alles andere als begeistert vom neuen Trend. Text: Chris Hauke Mit „Lovemachine“ schießen Supermax 1978 durch die Decke. Die Band um den....
Mehr lesen